Ein schwarzer Schmetterling,
sehnt sich nach ferne und träumt von einer schwarzen Rose, die nur in tiefster Dunkelheit zu erblühen vermag.
Schwarzer
Schnee bedeckt die Blumenwiese auf welche er sich zur Rast zurückzog,
er rieselt langsam, ganz langsam vom schwarzen Firmament, es ist die
Asche dieser Welt.
Langsam, ganz langsam
erhebt sich der Schmetterling und schlägt mit seinen schwarzen Flügeln
die dunkle Luft des pechschwarzen Mittags, dann segelt er gemächlich
dem Horizont entgegen, der unsichtbaren Trennlinie die den verbrannten
Himmel von der verkohlten Erde abschneidet. Irgendwo dort, wo früher die
Sterblichen den Norden suchten, glühen fahl die Reste ihrer
menschlichen Existenz, dort glühen ihre Kultur, ihre Geschichte, ihre
Waffen, ihre Körper.
Betont langsam sinkt
die Asche, alles was noch von ihnen übrig ist, in seiner eigenen
Gluthitze dem matten Sternenlicht entgegen.
Und
der kleine schwarze Schmetterling fliegt immer weiter, als wäre er das
letzte Stückchen Leben, der letzte Rest einer Existenz auf diesem einst
so bunten und nun doch so trostlosen schwarzen Erdball.
Unter
seinen schwarzen Fühlern ziehen sich schwarze Landstriche hin, sie alle
haben ihren Glanz verloren, ihre Schönheit, ihr Leben.
Sie
sind alle aus dem selben Schatten geboren, aus dem selben Schwarz
geformt worden wie der Rest der Welt. Der Schwarze Schmetterling, er
schwebt nach Hause, denn selbst seine Augen sind verbrannt, er ist der
der fühlt was keiner fühlt, weil nur noch er selbst fühlt.
Alles ist leer, nur vereinzelt tanzen verblasende Schatten auf ihren eigenen Gräbern.
Der
Schwarze Schmetterling weiß, dass Hoffnung, dass Leben bald nur noch
leere, bedeutungslose Wörter sein werden, die im Wind der schwarzen
Nacht verklingen und bald auch die letzten Zeichen ihrer Existenz, ihre
eigenen Schatten verblassen werden, denn hinter den schwarzen Wolken, da
frisst die Dunkelheit langsam die weinende Sonne und ihre gleißenden
Tränen, das Licht, das letzte Licht, es wird zu schwarzem Blut, das
unser Himmelszelt befleckt.
Die Farben jedes Bildes sind verklungen, die Töne jeder Melodie erloschen, schwarzes Rauschen.
Der
schwarze Schmetterling, er will tanzen und will singen, doch er kann es
nicht, die Schwärze hat sein kleines Herz erreicht, denn er kann kein
leben finden, nichts mehr.
Er fliegt in Stille über Gebirge aus Schutt und Asche, die sich nur in zarten Schwarztönen voneinander abheben.
Irgendwo
vergeuden schwarze Augen schwarze Tränen, der Schmetterling er fragt
sich ob es hier noch Leben gibt, ob es überhaupt noch Leben gibt, doch
noch viel mehr brennt in seinem schwarzen Geist die Frage ob das hier
überhaupt noch Leben ist, Leben sein kann.
Sein
kleiner schwarzer Kopf kann nicht ansatzweise die Tragweite seiner doch
so simplen Frage erfassen, geschweige denn begreifen was sie bedeutet.
So schwebt er einfach bloß weiter durch die schwarze Asche nach hause, Heim.
Jeder
Tag wurde zu einer schwarzen Nacht und so fliegt er endlose Nächte bis
er den Trümmerhaufen mit seinen blinden, schwarzen Augen erblickt, der
sein Zuhause ist.
Doch keine Träne ist mehr
übrig um sein Heim zu beklagen, zu viel hat ihm die Nacht schon geraubt
und in ihren schwarzen Schlund gesogen, selbst seine kleine,
wunderschöne, schwarze Seele.
Der kleine Schmetterling stöbert durch die Überreste und Trümmer, wühlt die Asche auf und mit ihr die Erinnerung.
Zwei
tote Schlangen kriechen über eine alte verkohlte Wiege und das Kind
ruht sterbend in seinem warmen zuckendem Sarg, eingebettet in kaltes,
schwarzes Fleisch.
Irgendwo zwischen schwarzen Scherben und farblosen, verglühten Gemälden ruhst du.
Dein zierlicher, wunderschöner Körper in kaltem , schwarzem Schlaf.
Dein hübsches Gesicht, so weiß, so wundervoll, der schwarze Schmetterling landet ganz sanft auf deinem weißen Antlitz.
Er spreizt seine zarten schwarzen Flügel
und bedeckt deine schweren Augenlider,
bereit dir in den Schlaf zu folgen,
in jeden noch so dunklen, schwarzen Traum,
denn bedeckt von deinen unschuldigen, zarten Tränen
blüht die schwarze Rose
endlich weiß.
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